RON DER "KRIEGSHELD"
L. RON HUBBARD UND DIE U.S. NAVY, 1941-50

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Behauptungen und Entgegnungen

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Verdankungen

5  Schlussfolgerungen

Bewertung von Hubbard

War L. Ron Hubbard ein guter Offizier? Dem Laien bietet seine Akte ein deutlich durchmischtes Bild. Er wurde im Allgemeinen in vielen Führungsberichten, die zwischen 1941 und 1945 über ihn abgegeben wurden, als "Durchschnitt" oder "über dem Durchschnitt" eingestuft. Er wurde jedoch auch dreimal aus dem Dienst enthoben, beim letzten Vorfall bekam er einen Verweis wegen Missachtung von Befehlen. Allerdings muss betont werden, dass nie eigentlich bestraft wurde, 1 da in allen drei Fällen angenommen wurde, dass er entweder in guter Absicht falsch handelte oder möglicherweise das Opfer persönlicher Differenzen wurde.

Der beste Richter darüber, ob dies überalles ein günstiger Bericht darstellt, ist das Militär selbst. Ich legte einen kurzen und anonymisierten Auszug von Hubbards Dienstakten drei dienstleistenden britischen Offizieren vor, einem Brigadier der Armee, einem Kommandanten der Royal Air Force und einem Kommandanten der Royal Navy und forderte sie auch, sich in die Lage eines Offiziers zu versetzen, der Hubbards allgemeine Eignung überprüfen soll:

Sie haben für eine Periode von vier Jahren einen Offizier mit dem Rang eines Leutnants / Kapitäns / Hauptmanns der Luftwaffe unter ihrem Kommando. Er bekam für den grössten Teil dieser Periode durchschnittliche bis gute Leistungsberichte. Er wurde jedoch während einer Periode von 18 Monaten dreimal vom Dienst enthoben, zweimal wegen schlechten Leistungen und einmal wegen Missachtung von Befehlen, wofür er formell ermahnt wurde. Wie schätzen sie ihn am Ende seiner Dienstzeit ein?

Ihre Kommentare waren blossstellend: Der Brigadier der Armee sagte:

Vom Dienst enthoben zu werden ist eine äusserst schwerwiegende Angelegenheit. Falls es wiederholt vorkommt, sollte es normalerweise zur Entlassung des Offiziers führen. Ein Offizier mit dieser Art von Dienstakten sollte hoffentlich die Schrift an der Wand sehen bevor dieses Stadium erreicht wird. Das System kann jedoch gnädig sein. Leute können das Opfer persönlicher Differenzen oder ungeeigneter Posten sein. Dienstzyklen können abgebrochen werden ohne die Karriere zu beenden.

Der Kommandant der Royal Air Force wurde deutlicher, er kommentierte:

Ein sehr schwacher Offizier, offensichtlich eigensinnig und schwierig zu führen. Auf dieser Stufe sollte man erwarten, dass man ihm Aufgaben zur Erledigung ohne Überwachung übertragen kann. Falls sie von ihm gute Arbeit erwarten, müssten sie ihn in jeder Einzelheit anleiten. Da er wiederholt an verschiedenen Posten vom Dienst enthoben wurde, ist dies eine klare Botschaft dass er ein Problem mit dem Ausführen von Befehlen seiner Vorgesetzten hat. Ich möchte ihn nicht unter mir haben. Ich würde versuchen, ihm eine administrative Entlassung zu gewähren oder vielleicht vor Kriegsgericht zu bringen falls er sich wiederum falsch benimmt. Ungehorsam ist eine kriegsgerichtliche Straftat, wenn sie klare und unanfechtbare Beweise haben.

Der Navy Kommandant hob mögliche mildernde Umstände hervor, indem er sagte:

Er erscheint als ein schwacher Offizier. Durchschnittliche Rapporte heben nicht auf, dass er wiederholt vom Dienst enthoben wurde. Sie werden ihn eng beaufsichtigen müssen. Viel hängt von den Umständen ab. Vielleicht hatte er nur gerade eine schlechte Periode - eventuell als Folge widriger Umstände, wie der Tod naher Verwandter - was einige mildernde Umstände bieten könnte.

Nachdem ich ihnen erklärte, dass der fragliche Offizier während dem Zweiten Weltkrieg Dienst leistete, war ihre Reaktion gemischt. Der Erste und der Dritte meinten, dass man beim Dienst in Kriegszeiten weniger geneigt sein könnte, der Forderung einen ungenügenden Offizier loszuwerden nachzukommen, stattdessen platziert man ihn irgendwo, wo er etwas zu den Kriegsanstrengungen beisteuern kann ohne Schaden zu riskieren. Der Air Force Kommandant war, wie bereits zuvor, sehr viel strenger, darauf hinweisend dass die zunehmende Notwendigkeit von Kompetenz den Dienst geneigter für strenge Disziplin machen könnte um die anderen zu ermutigen. (Diese Meinungsunterschiede könnten die unterschiedlichen persönlichen Führungsstile widerspiegeln, könnten aber ebenso aus dem sehr viel engeren Bereich möglicher Fehler resultieren, der Aktionen der Luftwaffe innewohnt. Es soll auch in Erinnerung gerufen werden, dass Hubbard ursprünglich zum Air Corps wollte.)

Ein unfähiger, feiger Simulant?

In der Einleitung erwähnte ich, dass es die "klassische" kritische Ansicht über Hubbards Dienst in der Marine ist, dass er sich als unfähiger Offizier erwies, der sein Bestes gab um zu vermeiden, Gefahren ausgesetzt zu werden und sich mit belanglosen körperlichen Beschwerden im Spital absichtlich krank stellte. Ist dies eine gerechte Betrachtung des Mannes?

1. Unfähigkeit

Der Vorwurf der Unfähigkeit ist wahrscheinlich am leichtesten zu behandeln, da er sich direkt von seinen Leistungsberichten ableiten lässt. Hubbard wurde dreimal von Dienst enthoben, jedesmal für unfähig befunden unüberwachte Befugnis richtig auszuüben. Tatsächlich erklärte der Kommandant des Boston Naval Yard ausdrücklich, dass "er für ein selbständiges charakterlich nicht geeignet ist". Die Aufzeichnungen zeigen, dass immer dann wenn Hubbard eng umschriebene Pflichten zugeteilt wurden, erfülte er diese zufriedenstellend oder gut. Die daraus zu ziehende Folgerung ist, dass Hubbard nur für gewisse Dienstarten unfähig war, nicht durchs Band weg. Es ist vielleicht von Bedeutung, dass sich Hubbard als Führer von Scientology selbst 'Commodore' seiner eigenen kleinen Flotte nannte - genau die Art von Posten, für den ihn die US Navy als ungeeignet beurteilte. Vielleicht war seine Selbsternennung als 'Commodore' und später als 'Admiral' seine verspätete Rache an der Bürokratie der Navy.

2. Feigheit

In Hubbards diszplinarischen Aufzeichnungn gibt es keine Hinweise, weder ausdrücklich noch unausgesprochen, dass er sich in feiger Weise verhielt. Es war sicherlich etwas, das äusserst streng überwacht wurde - Feigheit vor dem Feind wurde äusserst schwer geahndet, insbesondere bei der kämpfenden Truppe. Allerdings kam Hubbard nie tatsächlich in Kontakt mit dem Feind. Es gibt jedoch Hinweise, dass er - zumindest anfänglich - aufrichtig wünschte, den "Kampf aus erster Hand zu sehen", wie es die Scientology Kirche darstellt. Er bat regelmässig um Dienst an Deck von Kriegsschiffen, zögerte erst im letzten Jahr des Krieges und beantragte, in mindestens drei Kampfzonen versetzt zu werden - den Nordatlantik, die Karibik und den Pazifik.

In den beiden ersten Fällen hätte er eine reelle Chance gehabt, mit einem deutschen U-Boot in Konflikt zu kommen. Hunderte von Schiffen, einschliesslich Patrouillenboote wie das seine, wurden durch U-Boote gerade vor der Ostküste der US und rund im die Karibischen Inseln versenkt; feindliche U-Boote operierten weiterhin in dieser Region bis in die letzte Kriegswoche mit Deutschland. Zugestandenermassen setzte er sich an Bord eines Patrouillenbootes weitaus weniger Gefahr aus als, sagen wir, auf einem Zerstörer, Flugzeugträger oder Frachter - es waren strategisch so bedeutungslose Schiffe dass sich Unterseeboote nur selten auf ein Gefecht mit ihnen einliessen. Es kann jedoch nicht nachgewiesen werden, dass sein Wille an Bord eines Patrouillenschiffes Dienst zu leisten durch den Wunsch motiviert war, ausserhalb der Gefahrenzone zu bleiben. Wenn er dies gewünscht hätte, warum ersuchte er dann nicht um Dienst an Land?

Hubbards wiederholte Gesuche, auf U-Bootjägern im Pazifik eingesetzt zu werden, ist ein typischer Fall. Obwohl die Bedrohung durch japanische U-Boote weit geringer als die durch ihre deutschen Gegenstücke war und vor den US Küste zunächst minimal blieb, bestand die Aussicht, dass U-Bootjäger im Pazifik in bedeutend aktiveren Regionen als in den US Küstengewässern eingesetzt würden. U- Bootjäger der PC Klasse kämpften in den Aleuten und Kampagnen im westlichen Pazifik; sie begleiteten Konvois hinauf nach Alaska in den kalten Nordpazifik und, obwohl höchst ungeeignet für die Aufgabe, hiununter nach Zentral- und Südamerika; sie halfen beim Schutz der australischen Küstengewässer vor japanischen Einfällen. Obschon in der Kampagne im Pazifik nur wenige verloren gingen, hatten viele trotzdem eine bewegte und aktive Einsatzzeit.

Gegen Ende des Krieges jedoch scheint es, dass Hubbard versuchte eine unwillkommene Dienstfahrt zu vermeiden. Obwohl er in seinem Führungsbericht ausdrücklich eine Vorliebe für Dienst an Bord eines Frachters im Pazifischen Ozean ausdrückte, bat er um Versetzung von der USS Algol zum Dienst an Land, gerade bevor diese zu der kurz zuvor eroberten Insel Saipan losfuhr. Als er die Schule für Militärische Verwaltung in Princeton New Jersey abschloss wurde er zur Einsatzvorbereitung als Administrator im westlichen Pazik nach Monterrey in Kalifornien befohlen - woraufhin er sich prompt krank meldete mit einer Auswahl grösstenteils nichtexistierenden Beschwerden. Zum ersten Mal im ganzen Krieg zeigten seine Führungsberichte einen Vorzug für Dienst an Land, vorzugsweise beim Hydrographic Office (in New York City). Warum er in dieser Weise handelte ist unklar, da er zuvor nie Bedenken äusserte, im Land und im Ausland herumzureisen. Es ist aber unwahrscheinlich, dass es Feigheit gewesen war: Saipan, das bevorstehende Ziel der Algol, war fest in der Hand der Allierten und er hätten ihm dort kaum Gefahr gedroht; noch weniger Risiken wäre er als Administrator auf einer zurückeroberten Insel eingegangen.

3. Simulieren

Wiederum weisen Hubbards Akten nicht ausdrücklich darauf hin, dass die Navy Hubbard für einen Simulanten hielt. Er verbrachte eine bemerkenswert lange Zeit im Spital wegen etwas, was sich schliesslich als ein Zwölffingerdarmgeschwür erwies - bestimmt unangenehm, aber kaum lebensbedrohlich. Er legte auch eine lange Liste von weiteren Leiden vor, von denen sich schliesslich nur zwei bestätigten - Arthritis und Astigmatismus (Kurzsichtigkeit), beide nur in geringem Grad.

Hubbards eigene Darstellungen jedoch weisen eher stark darauf hin, dass seine medizinischen Beschwerden eher mehr als nur die einfache Besorgis um schlechte Gesundheit waren. In seinen privaten Papieren gibt er wie berichtet zu, dass seine erste Klage über "Magenbeschwerden" ein Trick war, disziplinarische Massnahmen wegen dem Coronados Zwischenfall zu vermeiden. (Der Wahrheitsgehalt dieser Mitteilung kann nicht bestätigt werden, da die Originalpapiere von Scientology unter Verschluss gehalten werden.) In der in seinen Akten aufbewahrten Korrespondenz gibt Hubbard eindeutig zuerkennen, dass seine schlechten medizinischen Akten zur Folge haben könnten, ihn unfreiwillig vom Dienst zu entlassen. Er teilt der Navy mit, während er nun krank geschrieben ist, dass sein Geschwür als er an Bord der Algol war sehr viel schlimmer war, ihn jedoch nicht daran hinderte seinen Pflichten nachzukommen. In diesem Fall, warum wartete er so lange bis er um Behandlung ersuchte und wenn er sich fähig zum Dienst fühlte, warum war er im Spital anstatt seinen ihm zugewiesenen Posten als Militäradministrator aufzunehmen? Seine Worte erwecken den Eindruck eines Mannes, der versucht, sich selbst aus einer Grube herauszuziehen, die er sich selbst gegraben hat.

Während der Beweis seiner Akten der Kriegszeit bezüglich der Frage seines angeblichen Simulierens ergebnislos sein mögen, erscheint es vielmehr so, dass seine medizinischen Beschwerden nach dem Krieg durch nichtmedizinische Belange beinflusst waren. Die endlose Litanei undiagnostizierter Probleme und das plötzliche Auftauchen bisher unbekannter Verletzungen weisen darauf hin, dass es Hubbards Absicht war, die Veterans Administration dazu zu bringen, seine Rente zu erhöhen. Das war nicht Simulieren, sondern könnte vielleicht am besten mit medizinischem Betrug beschrieben werden.

War Hubbard ein Lügner?

Hier kommen wir zur zentralen Frage. Erzählte Hubbard die Wahrheit über seinen Dienst bei der US Navy? Die Antwort lautet, er tat es nachweisbar nicht. Drei ausgewählte Behauptungen, alle aus der gleichen Quelle, sollen genügen um dies zu veranschaulichen.

Hubbard bezieht sich in seinem Vortrag "Die Geschichte von Dianetik und Scientology" von 1958 (der immer noch von Scientologen angehört werden muss - Gästen wird er auf Verlangen abgespielt) auf seine Karriere in der Marine. Er behauptet, dass er "mit dem [privaten] Flugzeug des Navy Ministers aus dem Südpazifik heimgeflogen wurde", dass sein gebrochender Knöchel ihn zum "ersten aus dem Südpazifik heimgekehrten [US] Verwundeten" machte und dass nach einer Woche Spitalaufenthalt "dieser Verwundete zum Kommandodienst auf einer Korvette im Nordatlantik abkommandiert wurde". 1

Alle diese Darstellungen sind leicht zu widerlegen. Die Befehle, die Hubbard vom Naval Attaché für Australien erhielt, wiesen ihn an, mit der USS Chaumont in die Vereinigten Staaten zurückzukehren, nicht mit dem Privatflugzeug des Navy Ministers. Hubbard wurde wegen Bindehautentzündung ins Spital eingeliefert und es ist nirgends festgehalten, dass er während seiner gesamten Dienstzeit je irgend einen Knochenbruch erlitten hatte. Und Hubbard kommandierte nie in seinem Leben eine Korvette. Zu letzterem Punkt, L. Fletcher Prouty hatte halbherzig versucht, eine Erklärung für Hubbards Darstellung zu finden:

In anderem Zusammenhang hörte ich, dass L. Ron Hubbard etwas über diese Episode seiner Marinekarriere erwähnte als er sich in Europa befand, wo die Korvette ein wohlbekannter Schiffstyp ist. So konnte er wegen seiner Bekanntheit unter Europäern diesen Begriff benutzt haben. Darum, wenn er schrieb während er in Europa war, dass er während dem Zweiten Weltkrieg eine Korvette fuhr, kommandierte oder einsetzte, konnten sie dies klar verstehen und er wollte die Sache nicht überspannen. Im Gegenteil, er wollte die Dinge nur so darstellen wie sie richtig waren.
(Quelle: Brief von Prouty an CBS '60 Minutes', 21. November 1985)

Die Schwäche von diesem Argument ist offensichtlich, was erklären mag, warum sich Scientology scheinbar nicht dafür einsetzte. Der längst nicht mehr übliche Name "Korvette" wurde durch den britischen Premierminister Winston Churchill erneut verwendet und bezog sich auf eine Klasse von kleinen britischen Kriegsschiffen. Korvetten wurden auch von anderen Nationen des British Empire gebaut und eingesetzt, die Vereinigten Staaten mieteten einige um ihre eigene U-Bootabwehr Flotte aufzubauen. Nach dem Krieg wurde diese Klasse von den meisten westlichen Ländern ausgemustert; die meisten heute eingesetzten kleinen Anti-U-Boot Kriegschiffe gehören zur Klasse der Fregatten, ziemlich grösser als Korvetten. Hubbards Kommando im Nordatlantik war eindeutig keine Korvette, sondern ein Kanonenboot. Ist es wirklich wahr, dass "Kanonenboot" weniger gut verständlich ist als "Korvette"? Diese Feststellung ist so unwahrscheinlich dass es nur eine glaubwürdige Lösung gibt: dass nämlich Hubbard nur darum behauptete eine Korvette kommandiert zu haben, weil dies besser klang als zu sagen, er kommandierte einen bewaffneten Trawler.

Hubbards Motive zum Lügen über seinen Dienst bei der Marine sind eine Angelegenheit für Spekulationen - er ist nun tot und er bestätigte nie offiziell, dass er die Tatsachen verdreht haben könnte. Kritische Biographien über Hubbard zitierten frühere Gehilfen und Kollegen von Hubbard (wie auch Stellungnahmen durch ihn selbst), die ihn als Mann mit starkem Ego und geringer Achtung für literarische Wahrheit schilderten. Dies ist allerdings kein Bild, das die Scientology Kirche anerkennt.

Lügt die Scientology Kirche?

Scientology möchte jeden Disput über Hubbards Vergangenheit als blosses Detail der Geschichte unterdrücken. "Jede Kontroverse über ihn ist wie ein Staubkorn auf seinen Schuhen verglichen mit den Millionen von Leuten, die ihn liebten und ehrten", erklärte 1990 ein Sprecher von Scientology der Los Angeles Times. "Was er in einer kurzen Spanne seines Lebens verwirklichte wird jeden Mann, Frau und Kind für die nächsten 10'000 Jahre beeindrucken." 2

Es gibt jedoch absolut keinen Zweifel, dass Scientology zahlreiche unrichtige Berichte über Hubbards militärische Karriere verbreitete. Sie behauptete, dass Hubbard auf Inseln kämpfte, auf denen er nie war; mit Medaillen ausgezeichnet wurde, die er nie bekam; kommandierte Truppen, die nie existierten; und unter Verletzungen litt, die ihm nie zugefügt wurden. Einiges davon kann als mangelhafte Nachforschung abgetan werden. Jemand ohne Kenntnisse der Schifffahrt könnte zum Beispiel den Unterschied zwischen einem bewaffneten Trawler, einer Korvette oder einem U-Bootjäger nicht kennen, trotzdem entschuldigt dies das Versäumnis einer Überprüfung nicht.

Die Kirche war jedoch seit 1979 im Besitz einer vollständigen Kopie von Hubbards persönlichen Akten. Einige der absonderlichsten Behauptungen (wie die, dass er 1945 als Provost Marshall in Korea war) sind aus den letzten biographischen Berichten verschwunden. Andere wurden modifiziert - seine Schiffe werden nun mit Namen genannt, zum Beispiel. Aber andere völlig unwahre Behauptungen werden weiterhin aufgestellt, solche wie die, dass er an Aktionen im Nordatlantik teilnahm oder dass er Geheimoperationen an der Küste von Holländisch Ostindien durchführte.

Das Problem für Scientologen ist, dass sie glauben (oder zumindest ermutigt werden zu glauben) dass Hubbard ein Ausbund von Ehrbarkeit und Vertrauenswürdigkeit war. Aber bei vergleichender Bezugnahme auf seine eigenen Darstellungen wird klar, dass er unterschiedliche Dinge zu unterschiedlichen Leute zu unterschiedlichen Zeiten sagte - und sich selbst widersprach. Stellen sie sich das Dilemma von Dan Sherman vor, dem mit dem Schreiben von Hubbards offizieller Biographie beauftragten Scientologen. Hubbard sagt zwei direkt widersprüchliche Sachen. Beide sind wahr, gemäss den offiziellen Richtlinien der Kirche. Aber die Aussagen widersprechen sich, also kann eine nicht zutreffend sein. Aber es ist den Scientologen nicht erlaubt, Hubbard zu widersprechen, sogar dann wenn er sich selbst widerspricht.

Wie kann man einen solchen Konflikt zwischen Logik und Dogma lösen? Scientologys Versuche das Unvereinbare in Einklang zu bringen führte ihrerseits zu amüsantem Drehen und Winden. Sie hat heute die Feststellung des Boston Herald vom März 1998 akzeptiert, dass die USS YP-422 ein "umgebautes Fischerboot" war 3 das während dem Krieg nie zum Einsatz kam (trotzdem besteht ihre 1996 hergestellte Internetseite hartnäckig darauf, dass das Schiff ein U-Bootjäger war, der Dutzende von Wasserbombeneinsätzen durchführte). 4) Weil jedoch Hubbard in jenem Vortrag 1958 ausdrücklich sagte, dass er "eine Korvette im Nordatlantik kommandierte" und behauptete, auf diesem Kriegsschauplatz verwundet worden zu sein, erklärt nun Scientology, dass "Mr. Hubbard nie behauptete, an Bord der USS YP-422 an Kampfhandlungen teilgenommen zu haben. Er kam im Nordatlantik zum Einsatz, jedoch an Bord eines anderen Schiffes". 5 Es ist dies das erste Mal, dass wir von einem zweiten Nordatlantikschiff hören, aber welches Schiff, wo und wann? Scientology publizierte diese elementaren und, wie man es sich vorstellen könnte, leicht erhältlichen Details nie.

Scientology kann nicht behaupten, dass sie es nicht besser weiss, da sich die Realität von Hubbards Dienstkarriere in die Kirche betreffenden Gerichtsfällen als schwerwiegend herausstellte: der Fall von Armstrong 1984 und die erfolglosen Versuche zwischen 1987 und 1990, die Publikation der unautorisierten Biographien 'Bare- Faced Messiah' und 'A Piece of Blue Sky' in Grossbritannien, Kanada und den Vereinigten Staaten zu verhindern. Die Anwälte der Kirche durchsuchten die Bücher bis ins kleinste Detail nach irgend etwas, gegen das sie Einwände hätten erheben können während das Public Relations Personal der Kirche "Berichtigungen falscher Aussagen" für in den Büchern gemachte Behauptungen präparierten und verteilten. Letzteres ist Standardpraxis der Kirche und das Thema von Hubbards Marinekarriere wurde ausdrücklich angesprochen als es vom Boston Herald im Artikel vom März 1998 aufgenommen wurde.

Die Behauptungen der Kirche, dass die Aufzeichnungen von Hubbard gefälscht wurden, vermag keinesfalls zu überzeugend. Das einzige zur Unterstützung der "wahren" Marinrekarriere von Hubbard vorgewiesene Dokument erweist sich selbst als mögliche Fälschung. Der einzige "Experte" von ausserhalb, der ihre Behauptungen unterstützt, hat den Ruf von Ungenauigkeit und, ganz bestimmt, macht spekulative und nachweisbar unrichtige Aussagen zu Hubbards Karriere. Selbst wenn die Kirche behauptet, dass die Auzeichnungen gefälscht sind, hat sie trotzdem die meisten in den Akten festgehaltenen bedeutsamen Ereignisse akzeptiert. Die Ausnahmen betreffen die drei Dienstenthebungen von Hubbard, die über ihn vorgebrachten nachteiligen Anmerkungen und seine medizinischen Akten. Sie erwähnt davon in ihren offiziellen Berichten über Hubbards Kriegsjahre einfach überhaupt nichts, wenn trotzdem ausdrücklich gefragt wird erklärt sie, dass die Akten gefälscht sind und deshalb dem ablehnenden oder widersprüchlichen Material nicht vertraut werden kann. In diesem Falle, warum anerkennt sie alles übrige? Ein weiterer interessanter Punkt ist, dass die Kirche nie wirklich sagte, welche Aufzeichnungen angeblich gefälscht sind. Sind die Akten weitgehend oder vollständig gefälscht, wie L. Fletcher Prouty behauptet hat? Oder sind nur einzelne Teile davon, vielleicht nur einzelne Dokumente, Fälschungen? Wir wissen es nicht; die Kirche erzählte es uns nicht.

Der Leser kann selbst beurteilen, ob die Scientology Kirche wiederholt (obwohl nicht konsequent) bezüglich Hubbards Dienst in der US Navy gelogen hat. Was darüber hinaus diskutiert werden muss ist, dass sie den Fakten widersprechende Informationen zu dem Thema vorbrachte und weiterhin vorbringt, dass sie im Besitz der ihren und Hubbards Berichten widersprechenden Dokumentation ist und dass sie völlig versagt hat, die meisten ihrer Stellungnahmen zu dokumentieren, selbst von denjenigen die in Hubbards Akten bestätigt sind. Für eine Organisation, welche die Wichtigkeit von Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit und die genaue Auswertung von Daten hervorhebt, ist dies keine beeindruckende Vorstellung. Hubbards Marinekarriere ist keine theologischen Debatten unterworfene religiöse Frage, sondern eine einfache Angelegenheit bestens dokumentierter Geschichte. Andere mögen über die Gründe des Verhaltens der Kirche mutmassen; ich beschränkte mich darauf, dieses zu dokumentieren.

Ich weiss nicht, ob dieses Werk irgend einen Einfluss auf die Darstellung von Hubbards Kriegsjahren durch Scientology haben wird. Aber zumindest wurde ein bedeutsamer Gewinn realisiert - die Wahrheit darüber ist nun, wie einmal jemand sagte, herausgekommen. Was auch sonst immer Leutnant L. Ron Hubbard USNR gewesen sein könnte, bestimmt war er kein berühmter Kriegsheld.


ANMERKUNGEN

1 Hubbard, Vortrag vom 18. Oktober 1958, Die Geschichte von Dianetik un Scientology

2 Los Angeles Times, 24. Juni 1990

3 "Scientology Unmasked", Boston Herald, 1. März 1998

4 Siehe L. Ron Hubbard: The Humanitarian, http://humanitarian.lronhubbard.org/respect3.htm.

5 "Berichtigung falscher Aussagen in 'Scientology Unmasked', Boston Sunday Herald 1. März 1998" - interne Anweisungen der Scientology Kirche, März 1998.

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