Aktuelle Beurteilung der Religious Right

Von Skipp Porteous

Das Institute for First Amendment Studies veröffentlichte 1993 die zweite Auflage von Challenging the Christian Right: the Activist's Handbook. Ein Abschnitt des populären Handbuchs zählte die zehn wichtigsten Organisationen der Religious Right auf. Hier nun unsere Bewertung der Entwicklung jeder Gruppe seit 1993.

American Family Association

Unter der Führung des nun 61jährigen Rev. Donald Wildmon konzentrierte sich diese in Mississipps beheimatete Gruppe auf "Anstössiges" in den Medien, eingeschlossen Magazinen, Radio, Fernsehen und das Internet. In den letzten Jahren fügte die AFA das "Traktandum Homosexualität" der Liste ihrer Angelegenheiten bei. Der seit langer Zeit bestehende Boykott von Disney durch die AFA zeigte keine erkennbare Wirkung. Auch ihre Bemühungen, CBS Television zum Aufgeben der "Howard Stern Radio Show" zu überzeugen schlugen fehl. Seit der Gründung des AFA ist Pornographie leichter zugänglich als je und, trotz hasserfüllten Verbrechen gegen Homosexuelle durch gewisse Extremisten, werden Schwule eher mehr denn je akzeptiert.

Chalcedon

Gegründet durch den "Vater der Christlichen Wiederherstellung", dem heute 82jährigen RJ Rushdoony, blieb Chalcedon winzig. Seine hauptsächliche Auswirkung war eine handvoll Kirchen im Stil der Rekonstruktionisten.

Christian Coalition

Pat Robertson, der 69jährige Gründer dieser Gruppe, machte sich mit zahlreichen Unternehmen ein Vermögen. 1988 selber ein Präsidentschaftskandidat, gründete er die Christian Coalition um seinen Traum eines "christlichen Amerika" zu erfüllen. Unter der Führung von Ralph Reed machte die Gruppe einst den christlichen Konservativen Hoffnung. Heute ist die Gruppe, trotz den öffentlichen Erklärungen von Robertson, bloss noch ein Papiertiger. Die Christian Coalition erhielt nie den dauernden Status der Steuerbefreiung vom Internal Revenue Service. Der Widerruf ihrer provisorischen Befreiung bedeutete ein Verhängnis für die Gruppe.

Coalition on Revival

Einst als gefährliche Gruppe gefürchtet, die unbedingt eine Theokratie in Amerika errichten wollte, schrumpfte die Coalition on Revival zur Bedeutungslosigkeit. Ihr 65jähriger Leiter Jay Grimstead verheizte sich bereits vor einigen Jahren. Viele prominente Führer der Religious Right, die früher Verbindungen zur Gruppe pflegten, haben sich seit langem von der COR zurückgezogen.

Concerned Women for America

Gegründet von der 69jährigen Beverly LaHaye, die inzwischen die Herrschaft an Carmen Pate weitergab, prahlte die Gruppe einst mit 600'000 Mitgliedern. Diese Zahl schloss jedoch jedermann ein, der innert einem Zeitraum von 18 Monaten einen Beitrag leistete. CWA versandt jedes Jahr Millionen von Bettelbriefen, die Homosexualität und die Abtreibung ansprechend. CWA produziert immer noch viel Lärm, besonders auf lokaler Ebene durch ihre zahlreichen Ortsgruppen. Auf nationalen Ebene brachten sie jedoch wenig bis keine Ergebnisse hervor.

Oregon Citizens Alliance

Unter dem Vorsitz von Lon Mabon, diese Gruppe existiert heute nicht mehr.

Focus on the Family

Focus on the Family ist der gewichtige Gorilla der Religious Right. Gegründet vom heute 64jährigen James Dobson vertreibt die Gruppe Literatur und Tonbänder, die sich mit Angelegenheiten der Familie befassen, unter ihren Anhängern. Mindestens 1% des 100 Millionen Dollars Budgets wird für politische Zwecke verwendet. Mit einer starken Rede an einem Treffen des Council for National Policy im Februar 1998 gewann Dobson die Republikanische Partei dafür, mit Führern der Religious Right zusammenzusitzen. Doch die GOP (Grand Old Party) zollte der Bewegung nur Lippenbekenntnisse.

Free Congress Foundation

Gegründet und geleitet von Paul Weyrich verlor diese einflussreiche Gruppe von Denkern anfangs Jahr das Vertrauen unter den anderen Gruppen der Religious Right, als Weyrich ankündigte: "Wir haben den Kulturkampf verloren".

NACE/CEE

Die National Association of Christian Educators und Citizens for Excellence in Education wurde durch den heute 74jährigen Robert Simonds gegründet. Die ursprüngliche Absicht war, die Kontrolle der öffentlichen Schulen zu übernehmen durch die Wahl von konservativen Christen in die Schulbehörden. Anfänglich erfolgreich, verschiedene Sitze in Schulbehörden wurden dank den Anstrengungen des CEE übernommen. In praktisch jedem Fall gewannen jedoch allgemein anerkannte Kandidaten die an die Radikalen verlorenen Sitz zurück.

Operation Rescue

Einst lautstark und ungestüm, liegt diese von Randall Terry gegründete Gruppe gegen die Abtreibung am Boden. Eine Medienkampagne zur Stärkung ihrer sinkenden Mitgliederzahl scheiterte, wie ihr schauriger Protest vergangenes Frühjahr vor Abtreibungskliniken und Buchhandlungen in Buffalo, New York zeigte, zu dem nur noch wenige Hundert von ihren Mitgliedern erschienen.

Traditional Values Coalition

Betrieben durch den nun 65jährigen Rev. Lou Sheldon und seine Familie ist die Traditional Values Coalition in erster Linie eine antihomosexuelle Organisation. Sheldons Tochter führt das Büro in Washington, DC dieser in Kalifornien beheimateten Gruppe. Lou Sheldon versucht etwas Echo in der Presse zu kommen, aber im übrigen ist die Gruppe wirkungslos.

Christian Action Network

Geleitet durch Martin Mawyer, ehemals bei der Moral Majority, erweist sich diese Gruppe in erster Linie als weitere antihomosexuelle Organisation. Wie die Traditional Values Coalition von Sheldon versucht sie vorwiegend verletzende Darstellungen zu verbreiten um in die Schlagzeilen der Presse zu kommen.

Eagle Forum

Gegründet von Phyllis Schlafly, trat das Eagle Forum durch einäugige Bekämpfung der Gleichberechtigung hervor. Ausser seinen Auftritten an konservativen Konferenzen trat Schlafly seit dem Ableben der ERA (Equal Rights Amendment) nur selten in Erscheinung.

Rutherford Institute

Diese konservative christliche Verteidigungsgruppe neigt sich immer mehr der Mitte zu. Ihr Gründer John Whitehead brach mit seinen ehemaligen Ansichten eines Christian Reconstructionist und nähert sich einem eher liberalen Standpunkt.

Promise Keepers

Von einigen einst als die "Dritte Welle" befürchtet, blieben die PK lediglich ein Geplätscher. Die am 1. Januar 2000 geplanten Rallies in den Hauptstädten der Staaten wurden aus Furcht vor dem Y2K Bug aufgegeben.

© 1999 Institute for First Amendment Studies, Inc.