BARE-FACED MESSIAH
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Kapitel 14

Der Gutsherr

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'Mein eigenes Leben ist in diesen Tagen ziemlich langweilig. Ich gewann das luxuriöse Landgut des Maharadschas von Jaipur in Sussex gewissermassen wie in einem Pokerspiel . . . ' (Bemerkung im 'Explorers Log' von Dr L. Ron Hubbard, Explorers Journal, Februar 1960)

(Scientologys Zusammenfassung der Jahre 1959-63.)

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Saint Hill Manor war ein georgianisches Herrenhaus auf einem landschaftsgärtnerisch gestalten Gut zwei Meilen von der kleinen Marktstadt East Grinstead in Sussex. Die ländliche Gegend dort wurde im achtzehnten Jahrhundert vom Landadel wegen der Schönheit ihrer grünen, sanft welligen Hügeln und ihrer Nähe zum Hof in London bevorzugt , nur wenige Stunden entfernt mit Pferd und Kutsche, und Saint Hill bestand aus einigen grossen Landhäusern in der Umgebung.

Im Jahr 1733 für einen reichen Grundbesitzer gebaut, konnte das Landgut nicht als Glanzpunkt Georgianischer Architektur beschrieben werden (zwar erweckte die Sandsteinfassade den schwachen Eindruck), aber es war beeindruckend genug dank einem Tanzsaal mit Marmorsäulen und fünfzig Morgen Umschwung mit einem See, umgeben von einer dichten Hecke von Rhododendren. Zur Zeit als es Eigentum des Maharadschas von Jaipur wurde, rühmte sich das Haus mit elf Schlafzimmern, acht Baderäumen und einem Schwimmbads im Freien. Obwohl der Maharadscha eine beträchtliche Summe für Verbesserungen im Innern ausgab, zudem den Künstler John Spencer Churchill damit beauftragte in einem der Räume in ersten Stock ein Wandgemälde zu anzubringen, lebte er nur sporadisch im Haus. Als das Glück des indischen Prinzen nach der Unabhängigkeit Indiens im Jahr 1947 ins Wanken geriet, beschloss er, seinen englischen Besitz zu verkaufen und freute sich, in der unmöglichen Person von L. Ron Hubbard einen Käufer zu finden.

Die Ankunft einer amerikanischen Familie auf der Saint Hill Manor im Frühjahr 1959 verursachte fast ebenso viel Erregung in East Grinstead wie einige Jahre früher die des exotischen Maharadschas. Alan Larcombe, ein junger Reporter des East Grinstead Courier wurde geschickt um den neuen Eigentümer zu interviewen und er fand ihn ausserordentlich kooperativ, glücklich sich mit seiner Ehefrau und den Kindern fotografieren zu lassen und mehr als bereit über sich selbst zu reden.

[Foto von Hubbard in Saint Hill]
Dr Hubbard, der 'Kernphysiker', auf den Stufen von Saint Hill, dem georgianischen Landhaus, das er mit den Einnahmen von Dianetik kaufte. (Photo Source Limited)
'Ein Amerikaner und seine reizende Familie finden einen Zufluchtsort in Saint Hill', berichtete der Courier in der Ausgabe vom 29. Mai 1959. Darin wird 'Dr. Hubbard' als ein 'gross gewachsener, schwergewichtiger Mann, dessen Arbeit für die Menschheit überall auf der Welt bekannt ist' beschrieben, Larcombe unternahm nicht den Versuch, das Wesen der Arbeit des Dr. Hubbards zu erklären, er gab sich zufrieden mit einer Zusammenfassung der Karriere seines Subjekts, natürlich damit beginnend wie er auf der Viehfarm seines Grossvaters halbbwilde Pferde zähmte und Kojoten jagte. 'Als er den Viehbesitz seines Grossvaters in Montana samt all seine Schulden erbte, schrieb er alles ab und wendete sich anderen Beschäftigungen zu: Essays, Literatur und Filmdrehbücher'.

Das Erbe der zahlungsunfähigen Viehfarm seines Grossvaters war ein Leckerbissen an Information, wie ihn Hubbard zuvor nie offenbart hatte, so wie seine Enthüllung, dass er stark mit Studien des pflanzlichen Lebens beschäftigt war. 'Die Herstellung von pflanzlichen Mutationen ist im Moment eines seiner wichtigsten Projekte. Durch Bestrahlen von Samen mit Röntgenstrahlen kann Dr. Hubbard entweder eine Pflanze in ihren Stufen der Evolution zurücksetzen oder vorrücken'.

Es war vielleicht unvermeidbar, dass Hubbard in dem Augenblick zum erfahrenen Gärtner werden sollte, als er in die englische Landregion zog und die Tatsache, dass Saint Hill Manor reichlich mit Gewächshäusern bestückte war half zweifellos, sein Interesse zu erwecken. Aber seine gartenbaulichen Versuche halfen auch, die Aufmerksamkeit vom wirklichen Grund abzulenken warum er den Besitz gekauft hatte: seine Absicht war, dass es das weltweite Hauptquartier der Scientology werden sollte. Hubbard vermutete, was ohne Zweifel seine Richtigkeit hatte, dass die Bevölkerung von East Grinstead nicht vorbereitet war für diesen Teil von Information.

Im August berichtete der Courier, dass die vom 'Kernphysiker' Dr. Hubbard durchgeführten Versuche in Saint Hill versprachen, den Gartenbau zu revolutionieren. Durch Behandeln von Samen mit 'radioaktiven Strahlen' züchtete er beinahe fünf Meter hohe Tomatenpflanzen, mit im Durchschnitt 15 Büscheln mit je 45 Tomaten. Er hatte auch entdeckt, dass eine 'Infrarotlampe' vollständigen Schutz vor Mehltau gewährte, eine Entdeckung die Gemüseproduzenten wahrscheinlich 'Tausende von Pfund' ersparen würde.

Der Reporter war wiederum Alan Larcombe: 'Er zeigte uns einige sehr grosse Tomaten und ich erinnere mich, dass ich sogleich dachte, dass sie jedermann mittels Düngemitteln in dieser Grösse hätte züchten können, aber er war sehr darauf erpicht, dass wir eine Aufnahme von ihnen machen sollten, also machten wir dies'.'[1] Das Bild, das die Zeitung verwendete, zeigte den kleinen, fünf Jahre alten Quentin, auf dem Laufrost im Gewächshaus seines Vaters stehend und feierlich durch einen Wald von Tomaten- und Maispflanzen in die Kamera starrend.

Dr. Hubbards Versuche erweckte bald die Aufmerksamkeit der Garden News, in dieser Publikation enthüllte er, von Gärtner zu Gärtner, seine Überzeugung, dass Pflanzen Schmerz empfinden. Er demonstrierte dies durch Anschliessen eines E-Meters mit Krokodilklemmen an eine Geranie, riss ihr Blätter ab und zeigte, wie die Nadel des E-Meters ausschlug wenn er dies tat.

Der Korrespondent der Garden News war überaus begeistert und schrieb eine Story mit der sensationellen Überschrift 'PLANTS DO WORRY AND FEEL PAIN', Hubbard als einen revolutionären Wissenschaftler der Gartenbaus beschreibend .[2]

[LRH beobachtet aufmerksam eine Tomatenpflanze am E-Meter]
Hubbard als 'revolutionärer Wissenschaftler des Gartenbaus', der beweist, dass Pflanzen Schmerz fühlen können. (Rex Features Ltd)
Es dauerte nicht lange bis das Fernsehen und Fleet Street Reporter den Weg nach Saint Hill Manor fanden um Hubbard über seine neuartigen Theorien zu interviewen. Stets gefällig den Herren von der Presse helfend, wurde er unvergesslich dabei photographiert, wie er mitfühlend eine eine Tomate betrachtet, die mit Klemmen an einem E-Meter angeschlossen ist - ein Bild, das schliesslich sein Weg in das Newsweek Magazin fand und eine Menge harmlosen Spass auf seine Kosten verursacht. Alan Whicker, ein bekannter britischer Fernsehinterviewer, tat sein Bestes um Hubbard als Spinner aussehen zu lassen, jedoch Hubbard brachte es zustande als eher sympathische und vertrauenswürdige Persönlichkeit herüberzukommen. Als Whicker daraus Profit ziehen wollte und sich sarkastisch erkundigte, ob mit dem Schneiden von Rosen aufgehört werden sollte, um damit nicht Schmerz und Sorge zu verursachte, nahme Hubbard die Frage geschickt auf und zog eine Parallele zu einer notwendigen, das Leben erhaltenden medizinischen Operation an einem Menschen. Er mag verrückte Ideen haben, fand Whicker, aber er war sicher kein Narr.

Den Scientologen rund um die Welt konnte man verzeihen, dass sie sich fragten was mit ihrem geliebten Führer los war, aber eine Erklärung sollte bald folgen. Der Zweck von Rons Experimenten, ihnen wurde es gesagt, war 'die Lebensmittelversorgung der Welt zu verbessern'. Er produzierte bereits 'ständig tragende Tomaten- und Maispflanzen, was die verblüfften britischen Zeitungen ausreichend beeindruckte um Artikeln auf den ersten Seite über diese neue Hexerei zu publizieren'.[3]

Bald nachdem Hubbard in Saint Hill einzog beauftragte die Scientology Kirche den Bildhauer Edward Harris eine Büste ihres Gründers herzustellen. Harris mochte, wenn seine Modelle während seiner Arbeit redeten und er bat seine Freundin Joan Vidal an den Sitzungen teilzunehmen und mit Hubbard zu plaudern. 'Mein erster Eindruck von ihm war', erzählte sie, 'dass er mit seiner ausgesprochenen rosa Haut und seinem hellroten Haar aussah wie ein frisch gewaschenes, fettes rosa Schwein. Ich erinnere mich wie er als Erstes zu mir sagte, dass man hören könne wie eine Tomate schreit wenn man sie abschneidet und dass er aus diesem Grund keine Tomaten esse. Er redete viel darüber ob Gemüse Schmerz fühlen kann und über alle seine früheren Leben. Es war sehr amüsant; es war offensichtlich, dass er ein angenehmes Gemüt hatte und weit herum gelesen wurde.'

'Nachdem die Büste fertig war, wurden wir zum Abendessen mit ihm und seiner Frau in Saint Hill eingeladen. Als wir ankamen, wurden wir von Mary Sue empfangen. Sie war eher langweilig, schüchtern, nicht die erwartete Person, deutlich jünger als er. Sie führte uns vor sein mit Büchern gefülltes Arbeitszimmer, er wartete ziemlich theatralisch einige Minuten vor seinem Auftritt. Ich glaube nicht, dass die Arbeiten am Haus abgeschlossen waren, weil das Abendessen in der Küche stattfand. Diese war weiss gekachelt, sehr steril wirkend, die Mahlzeit wurde von einer in Weiss gekleideten Frau mit weissen Schuhen und Strümpfen serviert. Es gab nichts zu trinken als Coca-Cola oder Wasser und das Essen war schrecklich - wir bekamen Schollenfilets die tiefgekühlt waren, ein wenig Gemüse und Eiscreme, aber er hatte ein enormes Steak das über seinen Teller hinaus ragte. Es war offensichtlich, dass sich alles nur um ihn drehte. Er war beinahe wie Oswald Mosley, er zeigte dieselbe Art von Machtanspruch. Die beiden redeten viel über frühere Leben; sie sagten mir, dass ihre Tochter zuvor Telefonistin war und durch einen Brand umkam. Wir blieben nicht lange und als wir zur Victoria Station zurückkamen waren Eddie und ich so hungrig, dass wir ins Buffet gingen und leckere Sandwichs mit Lammbraten bestellten.' [4]

Im Oktober enthüllte Dr. Hubbard ein weiteres seiner Interessen. Als er erfuhr, dass es East Grinstead nicht gelang eine freie Stelle eines Planers für Verkehrssicherheit zu besetzen, stellte er sich freiwillig für die Aufgabe zur Verfügung. Wie er an einer Sitzung des East Grinstead Komitees für Verkehrssicherheit erklärte, war er bestrebt, einen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten und er meinte, dass die Erfahrung, die er durch seine Mitarbeit in zahlreichen Verkehrssicherheitskomitees in den Vereinigten Staaten gesammelt hatte, für East Grinstead nützlich sein könnten. Er hielt eine interessante Rede über Verkehrssicherheitskampagnen in den Vereinigten Staaten, unterbreitete viele Ideen, wie man örtliche Unfälle reduzieren kann, beantwortete Fragen vertrauenswürdig und wurde vom dankbaren Komitee einstimmig zum neuen Planer für Verkehrssicherheit der Stadt gewählt.

Er war jedoch nicht in der Lage seine Aufmerksamkeit allzu lange Überlegungen zur Verkehrssicherheit zu schenken, da er plante im November Australien zu besuchen um vor Scientologen in Melbourne einen Vortrag zu halten. Er verliess London am 31. Oktober und flog mit der BOAC in der ersten Klasse über Kalkutta und Singapur. Im Hubbard Communications Office an der Spring Street in Melbourne wurde er von einer verzückten Menge von Scientologen begrüsst, die ihm laut zujubelte als er seine Überzeugung bekanntgab, dass Australien der erste 'clear continent' wäre. Zwischen den Vorträgen verbrachte er Stunden mit den örtlichen HASI Angestellten, Möglichkeiten erörtertend, die Australian Labour Party und Gewerkschaftsbewegung dazu zu überreden, die Techniken von Scientology zu übernehmen. Hubbard war davon überzeugt, dass Scientology Labor helfen konnte, die nächste Wahl in Australien zu gewinnen, um so ein günstiges Klima für die Entwicklung der Kirche zu schaffen und die unverminderte Feindseligkeit der australischen Medien zu neutralisieren.

Während er noch in Melbourne war erhielt Hubbard einen dringenden Telefonanruf aus Washington mit schlechten Nachrichten. Nibs, wurde ihm berichtet, sei 'durchgebrannt'. Für Scientologen ist 'aus der Org auszureissen' (die Kirche zu verlassen) eines der schlimmsten festgehaltenen Verbrechen: es war nahezu unglaublich, dass der hochgestellte Sohn und Namensvetter des Gründers solch einen Schritt unternehmen würden. Nibs hatte gleichzeitig fünf Posten in der zunehmend schwerfälligen bürokratischen Struktur von Scientology inne: er war organisatorischer Sekretär der Founding Church of Scientology, Washington DC; verantwortlicher Verbindungsoffizier Hubbard Communications in Washington DC; Hauptinstruktor des Advanced Clinical Course; technischer Direktor des Hubbard Communications Office World Wide und Mitglied des International Councils.

Seinen ominösen Titeln zum Trotz war Nibs dadurch frustriert, dass er nicht in der Lage war irgendwelches Geld durch Scientology zu machen, er hinterliess einen Brief an seinen Vater der erklärte, dass dies der einzige Grund für seinen Rücktritt war: 'Über die letzten Jahre fand ich es als zunehmend schwierig, eine finanzielle Grundlage für das Überleben von mir und meiner Familie zu erwirtschaften. Dem musste ich Abhife verschaffen. Ich sehe ein, dass ich meine finanziellen Angelegenheiten nicht auf die optimalste Art gehandhabt habe. Aber während der sechs Jahre habe ich es zumindest geschafft, die Grundbedürfnisse auf welche Art auch immer zu befriedigen. Indem ich so handelte habe ich all meine Reserven erschöpft und bin hoch verschuldet...'

Obwohl Hubbard alles andere als eine Säule der Rechtschaffenheit in Finanzangelegenheiten war, war er dennoch wütend auf seinem Sohn. Nibs war immer wieder verschuldet seit er erstmals vor Hubbards Tür in Phoenix stand. Das Problem war, dass er die gleichgültige Einstellung seines Vaters gegenüber Geld hatte, jedoch nichts von seinem Talent es zu machen und nichts von seinem Glück. In seinem Rücktrittsbrief sagten Nibs, dass er vorhatte, eine Ganztagsstelle zu suchen, aber gehofft hatte in der Lage zu sein, in seiner Freizeit weiterhin Scientology zu praktizieren. Er versäumte es, die Tatsache in Betracht zu ziehen, dass sein Vater seinen Abfall automatisch als Aktion des Verrats betrachten würde. Hubbard hätte nie erlaubt, dass Nibs weiterhin versuchen würde, mit Scientology Geld zu machen. Er kritzelte am 25. November eilig einen Luftpostbrief an Marilyn Routsong: 'Nibs bemüht sich, mehr Geld durch Darlehen von uns zu bekommen. Dies mag viel Verwirrung erregen, aber wir werden überleben. Wenn er irgendwo zu praktizieren oder sonst eine Squirrelaktivität beginnt, lassen Sie von HCO alle seine Atteste und Auszeichnungen widerrufen. Er wird niemals wieder eingestellt werden.'

Einige Tage später erhielt Hubbard gleich mehrere, ebenso unerfreuliche Familiennachrichten als seine Tante Toilie aus Bremerton anrief um auszurichten, dass seine vierundsiebzigjährige Mutter einen Schlaganfall erlitten hatte, sehr krank war und keine grosser Überlebenschance mehr hatte. Hubbard hatte seit dem Ende des Kriegs nur wenig Kontakt mit seinen Eltern oder der Waterbury Familie gehabt. Toilie waren die Einzige die versuchte, mit ihm in Kontakt zu bleiben indem sie ihm ein- oder zweimal im Jahr schrieb und es lag an ihr Ron zu finden, als May ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Hubbard sagte ihr, über eine knackende interkontinentale Telefonleitung, dass er nicht weg konnte, da er zu beschäftigt war.

Toilie war auch als grauhaarige alte Dame immer noch die energische Persönlichkeit wie sie es als junge Frau war. 'Du kommst heim', bestimmte sie. 'Ich verlange, dass Du den nächsten Flug nimmst. Das sind Befehle, Ron. Du schuldest deiner Mutter sehr viel und ich bete, dass Gott dich hierher bringt bevor sie tot ist.'

Als Hubbard in Bremerton ankam lag seine Mutter im Koma. Er ging hinein um sie zu sehen, hielt ihre Hand und redete mit ihr; er sagte darauf der Familie, dass er sicher war, dass sie ihn erkannte. Sie starb am folgenden Tag. 'Ron blieb nicht für das Begräbnis', sagte seine Tante Marnie. 'Er organisierte das Begräbnis, bestellte den Stein, bezahlte all die Kosten und vereinbarte mit einem Mann von der Scientology Kirche herzukommen und die Leiche mit Hub und Toilie zum Begräbnis nach Helena begleitet. Dann flog er von Bremerton nach England zurück. Ich dachte, dass er für das Begräbnis hätte bleiben sollen. Ich weiss nicht was so dringend sein konnte, dass er nach England zurückkehren musste'. [5]


Im März 1960 erfuhren die edlen Bürger von East Grinstead ein wenig mehr über ihren Planer für Verkehrssicherheit, als er ein Buch mit dem Titel herausgab Have You Lived Before This Life? (Haben Sie vor diesem Leben geleben?) in welchem eine Anzahl von erschreckenden, beim Auditing offenbarten 'letzten Leben' beschrieben wurde. Eine Fallgeschichte betraf eine vorherige Existenz als Walross, eine andere als Fisch, ein Dritter hatte die Zerstörung von Pompeji im Jahr 79 n.Chr. miterlebt und ein Vierter war ein 'sehr glückliches Wesen, das sich vor 23'064'000'000 Jahren auf den Planeten Nostra verirrte'.

Der Courier berichtete, dass das Buch einen 'Sturm von Auseinandersetzungen' in der Stadt verursachte, was zu erwartet war, Hubbard wurde aufgefordert wurde, eine Erklärung abzugeben mit dem Versuch, etwas von Scientology zu erklären: 'Während den letzten 30 Jahren wurden von Dr. L. Ron Hubbard und Fachleuten, die bei ihm beschäftigt sind, wissenschaftliche Forschungsarbeiten an Dianetics und Scientology durchgeführt. Seit 1950 wurde das Wissen zu diesem exakten und ergründenden Werk über das Funktionieren des Verstands zusammengetragen zur allgemeinen Öffentlichkeit in der Form spezieller und qualifizierter Behandlung freigegeben . . . in Verbindung mit Dr. Hubbards Buch 'Have You Lived Before This Life?' wird über den Inhalt lediglich vom Standpunkt eines Beobachters berichtet'.

In einer internen Mitteilung an seinen Presseoffizier betonte Hubbard die Notwendigkeit, stets hervorzuheben, dass er auf dem Gebiet der 'Kernphysik über die Quellen des Lebens und Lebensenergie' arbeite um zu vermeiden, dass er als Psychiater oder Spiritist gekennzeichnet wird. 'Dies wird ganz schön anstrengend sein, wahrscheinlich', fügte er in einem seltenen Moment von Offenheit hinzu. [6]

Hubbard brauchte sich nicht allzusehr darum zu sorgen was East Grinstead betraf, das Wetter und die königliche Familie sorgten für Themen von viel grösserem und anhaltenderem Interesse als was auch immer in Saint Hill Manor vorging. Das Verlauf der kommenden, Aufmerksamkeit erregenden und lange andauernde Seifenoper im britischen Königshauses im Frühjahr 1960 war durch die Geburt des dritten Kindes der Königin, Prinz Andrew, geprägt und durch die Heirat von Prinzessin Margaret im Mai. Und um die Unterhaltung in den Lokalen von East Grinstead etwas zu würzen gab es auch das in Kürze erwartete Verfahren wegen Obszönität gegen D. H. Lawrences Meisterwerk, Lady Chatterley's Lover.

Dem letzteren Ereignis folgte unmittelbar Mary Sue, als ihr Mann kurz zuvor ein vorheriges Leben auffand, das zufällig aufdeckte, dass sie niemand anders als D. H. Lawrence gewesen war! In einem Brief an ihre Freundin Marilyn Routsong erklärte Mary Sue die erheblichen Schwierigkeiten die sie als D. H. Lawrence erfahren hatte. Es schien so, dass der grosse Schriftsteller Schwierigkeiten hatte Handlungen zu entwerfen, seine Dichtung als Witz betrachtete und nur wenig von dem glaubte, was er schrieb.

Aufgrund dieser vorhergehenden Inkarnation gestand Mary Sue, dass auch sie vor hatte ein Buch zu schreiben und umriss die Handlung mit einem wenig Erfolg verheissenden Fehlgriff an Grammatik und Rechtschreibung. Sie schrieb, dass es völlig antichristlich wäre. Der erste Satz beginnt 'in der kleinen Stadt Balei wurde ein Bastardkind geboren'. Sie beabsichtigte dann zu zeigen, dass er tatsächlich ein Mischling und der Sohn von drei Vätern (ein Scherz über die Trinität Gottes) war, weil die Mutter in der fraglichen Nacht mit drei der potentesten Männer der Stadt geschlafen hatte und nicht wusste, wessen Sperma ihre Gebärmutter erreicht hatte, entschied sie demzufolge in Ali, Sohn des ----, Sohn des ---- und Sohn des --- zu nennen, was die örtlichen Einwohner beeindruckte und im ganzen Land Aufmerksamkeit erweckte. Sie beschloss daher aus offensichtlichen Gründen, dass er nicht ihren Namen tragen sollte.

Im selben Brief erwähnte Mary Sue den Krawall den Ron verursachte als er anordnete, die gesamte Belegschaft in Saint Hill am E-Meter überprüfen zu lassen. Sie bemerkte, dass drei Büroangestellte und fünf Hausangestellte sich weigerten. Sie war überrascht und schrieb, dass alle durch das E-Meter zu Tod geängstigt wurden und vorgaben, dass dies etwas war was nur Amerika erlaubt sei und fügte hinzu, dass sie aufgrund ihrer Furcht vor dem E-Meter offensichtlich etwas zu verbergen haben. [7]

Hubbards Beharren darauf, das jeder der für ihn arbeitete am E-Meter verhört wurde, war Teil des routinemässigen 'security checking', das er als notwendig erachtete um potentielle Unruhestifter, Andersdenkende und Spione zu erkennenn. Niemand in Scientology bezweifelte jetzt die Fähigkeit des E-Meters, tief sitzende Emotionen aufzudecken und immer ausgeklügeltere 'sec-checks' sollten zum gängigen Kennzeichen des Lebens in der Scientology Bewegung werden - Beweis von Hubbards ständiger Paranoia gegenüber seinen Feinden, sowohl jene, die wirklich existierten als auch jenen, die seiner Phantasie entsprangen.

Trotz der alles andere als unvernünftigen Abneigung von einigen der Diener in Saint Hill, sich über ihr privates Leben ausfragen zu lassen, Blechdosen festhaltend und an eine mysteriöse elektrische Maschine angeschlossen, die Hubbards hatten sich seit Frühjahr 1960 bequem eingelebt. Die Maler und Dekorateure hatten ihre Arbeit beendet und die Familie genoss die elysischen Freuden des angenehmen Lebens in einem englischen Länderhaus. Als 'persönliches Personal' hatten sie eine Sekretärin, eine Haushälterin, einen Koch, Butler und Kammerdiener sowie ein Kindermädchen und ein Erzieher für die Kinder.

Der frühere Billardraum, der direkt an die grossartige Eingangshalle grenzte, wurde zu Hubbards privatem Büro umgestaltet, mit einer mit rotem Leder gepolsterten Sitzbank auf der einen Seite des Zimmers und einem neben seinem Schreibtisch installierten persönlichen Fernschreiber. Ebenfalls von der Halle aus zugänglich waren das Esszimmer der Familie, das eine mit Coca-Cola (Hubbards bevorzugtem Getränk) bestückte Bar enthielt, ein grosser Aufenthaltsraum und ein Fernsehzimmer. Oben hatte Hubbard seine eigene Suite, die ein Wohnzimmer, Schlafzimmer und Badezimmer umfasste, angrenzend an Mary Sues Büro, Schlafzimmer und Badezimmer. Die Kinder hatten ihre Schlafzimmer am anderen Ende des Hauses und das 'Affenzimmer', nach den Wandgemälden von John Spencer Churchill benannt, wurde in ein Schulzimmer umgewandelt und mit einem Trampolin ausgerüstet. Ausser der Küche wurden die meisten übrigen Räume der Manor als Büros verwendet.

Es war das erste Mal, dass die Hubbards als Familie für längere Zeit am gleichen Ort zusammen waren, die Kinder waren von Saint Hill Manor mit ihrem Labyrinth von Zimmern und der Umgebung besonders entzückt. An Wochenenden konnten die vier normalerweise beobachtet werden, wie sie mit schlammbeschmutzten Knien den Besitz erkundeten oder in Gummistiefeln am Ufer des Sees plantschten; zweimal in der Woche besuchten Diana und Suzette die Tanzstunden an der örtlichen Bush Davies Schule.

Hubbard durchstreifte an Wochenenden auch gerne die Umgebung und machte Bilder mit der einen oder anderen seiner neuen Kameras. Photographie war ein seit kurzem ausgeübtes Hobby und seine gerahmten Bilder konnten in vielen Zimmern von Saint Hill gefunden werden. Hauptsächlich Landschaften und Portraits, sie wurden natürlich allgemein gelobt, auch jene die leicht unscharf waren.

Alles in allem hätten Besucher von Saint Hill zu dieser Zeit wenig Unstimmigkeiten mit der netten amerikanischen Familie bemerkt, die sich hier niedergelassen hattet. Sicher hätte niemand angenommen, dass Hubbard die zweifelhafte Ehre hatte, wahrscheinlich der einzige Eigentümer eines englischen Länderhauses zu sein, das unter der fortwährender Überwachung durch das FBI stand. In seiner Akte, Nummer 244-210-B, wurde viel geblättert und sogar ein Interview mit seiner ersten Frau Polly hinzugefügt, gerade wieder verheiratet, die allerdings nicht in der Lage war sehr viel zu sagen, ausser dass ihr erster Mann ein 'Genie mit irregeführtem Verstand' war.

In gewissem Grade war das Interesse des FBI an Hubbard eine durch ihn selbst verursachte Situation, die häufig unmässigen Bulletins und Policy Letters, die von Saint Hill in endlosem Strom zur Verteilung an Scientologen rund um die Welt flossen mussten zwangsläufig die Aufmerksamkeit von J. Edgar Hoovers Personal erregenn. Zum Beispiel am 24. April 1960 gab Hubbard ein Bulletin an US-Franchisenehmer heraus, in welchem er er von ihnen forderte, alles zu in ihrer Kraft stehende zu unternehmen um 'einer Person mit dem Namen Richard M. Nixon' die Präsidentschaft zu verweigern.

Er behauptete, dass nach einem harmlosen Verweis auf Nixon in einem Scientology Magazin zwei bewaffnete Geheimdienstagenten, im Auftrag von Nixon, die diensttuende Staff der 'Founding Church' in Washington bedrohten: 'über ihre Schreibtische gelehnt, heftig schreiend; sie gaben an, dass sie täglich solche Besuche bei "einer Menge Leuten" machen mussten um zu verhindern, dass Nixons Namen auf eine Weise verwendet wird, die Nixon missfällt... Sie erklärten, dass Nixon nichts von dem halte was die Founding Church of Scientology präsentierte.

'Wir wollen saubere Hände in den Staatsämtern der Vereinigten Staaten. Lassen uns damit beginnen, Nixon die Präsidentschaft beharrlich zu verweigern, ganz gleich, was sein Geheimdienst daraufhin versucht mit uns zu tun, . . . er hasst uns und hat alles versucht, was Polizeikräfte ihm ermöglichen konnten. Also beschäftigt euch bitte damit.'

Nixon blieb die Präsidentschaft wirklich versagt, obwohl gewiss die berühmten, im Fernsehen übertragenen Debatten mit John F. Kennedy mehr damit zu tun hatten als das HCO Bulletin. Aber es wurde offensichtlich, dass der Eigentümer der Saint Hill Manor meinte, dass er eine wichtige Rolle in politischen und internationalen Angelegenheiten spielte und es seine Verantwortung war, sich nicht davor zu drücken.

Ein HCO Bulletin im Juni verkündete den 'Special Zone Plan - die Rolle der Scientologen im Leben', in welchem Hubbard erklärte, wie Scientologen Einfluss in auf die Politik ausüben konnten. 'Kümmern sie sich nicht darum, gewählt zu werden', schrieb er. 'Beschaffen Sie sich einen Job im Sekretariatsteam oder als Leibwächter.' Auf diese Weise nahe am Sitz der Macht platziert, begründete er, würde Scientology in der vorteilhaften Lage sein, eine Organisation umzuformen. 'Wenn wir Revolutionäre wären', fügte er hinzu, 'wäre dieses HCO Bulletin ein sehr gefährliches Dokument'.

Im August wurde der 'Special Zone Plan' in ein neues 'Department of Government Affair' einverleibt, notwendig geworden, wie Hubbard ernsthaft erklärte, wegen dem zunehmenden Zeitaufwand mit dem sich ranghohe leitende Angestellte von Scientology staatlichen Angelegenheiten widmen mussten, da sich Regierungen rund um die Welt unter der Drohung eines atomaren Kriegs und des Kommunismus handlungsunfähig wurden. 'Das Ziel der Abteilung ist', schrieb er, 'die Regierung und feindliche Philosophien oder Gesellschaften in den Zustand völliger Übereinstimmung mit den Zielen von Scientology zu bringen. Dies wird erreicht durch hochgradige Fähigkeit zur Kontrolle und bei deren Fehlen durch die niedrigere Fähigkeit zu überwältigen. Dringen Sie in solche Agenturen ein. Kontrollieren Sie solche Agenturen.'

Um auf ein vertrautes Thema zurückzukommen, Hubbard drängte seine Anhänger dazu, Scientology durch Angreifen ihrer Opponenten zu verteidigen: 'Falls Sie an irgend einem verwundbaren Punkt von irgend jemandem oder irgend etwas oder irgend einer Organisation angegriffen werden, finden oder erfinden Sie genug Drohung gegen sie um sie zu veranlassen, um Frieden zu flehen, . . . verteidigen Sie sich niemals, greifen Sie immer an. Unternehmen Sie niemals nichts. Unerwartete Angriffe in den Rücken des Feindes funktionieren am besten'.

Das Department of Government Affairs existierte nur in einem 'policy letter' [8], doch viel von Hubbards privater Welt existierte nur auf dem Papier. In HCO Bulletins und Policy Letters, reichlich versehen mit den Insignien des übertriebenen bürokratischen Papierkriegs - mit Kennfarben versehenen Verteilerlisten, ausführlichen Referenzen, unzählige Abkürzungen usw. - gedieh Scientology zur internationalen Organisation von enormem Einfluss, die sich bereit hielt das Universum von den gemeinsamen Gefahren des Kommunismus, der Kernwaffen und der eigenen Dummheit zu retten.

An einer elektrischen Schreibmaschine in seinem Arbeitszimmer in Saint Hill Manor sitzend, oft die ganze Nacht durch tippend wie in den Tagen als er noch Science Fiction schrieb, demonstrierte Hubbard seine aussergewöhnliche Kompetenz als Verfasser von mühelos produzierten Dokumentenstapeln, die so erschienen als ob sie durch Kommissionen von Bürokraten und Rechtsanwälte entworfen worden wären. Gestaltet und gedruckt wie offizielle Regierungspapiere verliehen sie dem Inhalt nüchterne Autorität, welche meist keiner genaueren Untersuchung standgehalten hätte. Aber kein Scientologe würde natürlich die reine Wahrheit von irgend etwas bezweifeln das Hubbard schrieb, ganz gleich wie unglaubwürdig es erscheinen mag - wenn Ron sagte, dass es so war, dann war es so.

Hubbards blühende Allmacht wurde bestärkt durch die vornehme Art in der er jetzt reiste, stets erster Klasse, üblicherweise von einem getreuen Hofstaat begleitet und an jedem Bestimmungsort begrüsst mit einer Ehrfurcht einflössenden Party von Verehrern. Im Oktober und dem November 1960 besuchte er Südafrika, um vor Scientologen in Kapstadt und Johannesburg Vorträge zu halten; im Dezember flog er nach Washington DC, wo er über Weihnachten und Neujahr blieb, kehrte nach Johannesburg zurück, um Mitte Januar noch mehr Vorträge zu halten und kehrte gegen Ende Februar 1981 nach Saint Hill Manor zurück.

Im März kündigte Hubbard den Start des 'Saint Hill Special Briefing Course' für jene Auditoren an, die persönlich unter seiner Anleitung trainieren wollten. Die Kosten der 'SHSBC' waren 250 Pfund pro Person und der erste sich einzuschreibende Student war Reg Sharpe, ein Geschäftsmann im Ruhestand, der von Scientology so begeistert war, dass er sich im kleinen Dorf Saint Hill ein Haus kaufte das an die Manor angrenzte, um nahe bei Ron zu sein. Während den ersten Paar Wochen besuchten nur zwei Studenten den Kurs, aber bald kamen mehr an aus aller Welt, angelockt vom Versprechen, dass 'Ron persönlich mit Hilfe des E-Meters das Ziel für dieses Leben eines jeden Studenten ausfindig machen und beurteilen würde'.

Mary Sue, die Kursleiterin war, unterstrich auch die Aussicht auf materielle Belohnungen: 'Ich will dass Sie Geld machen. Wenn jemand von Ihnen sich keinen Auditor vorstellen kann, der in einem vergoldeten Cadillac oder Rolls herumfährt, der soll sich besser anders ausrichten. Ich mag die Idee.' [9]

Als die Zahl der Teilnehmer am Briefing Course zunahm, wurde die Unterkunft zum Problem. Die Gewächshäuser, wo Ron seine bahnbrechenden gartenbaulichen Versuche durchgeführt hatte, wurden abgerissen um Platz für eine 'Kapelle' zu schaffen, die in Wirklichkeit als Vortragshalle benutzt wurde. Andere Gebäude auf dem Landgut wurden zerstört, ohne auch nur einen Moment daran zu denken, eine Baubewilligung einzuholen - Hubbard war der festen Überzeugung, dass alles was er auf seinem eigenen Land machte seine eigene Sache war. Es war eine Ansicht, welche die lokale Behörde nicht geneigt war zu teilen als jemand darauf hinwies, was auf Saint Hill los war und die setzte schliesslich bei Hubbard durch, einen Architekten anzustellen und eine Baugenehmigung zu beantragen wie alle anderen auch.

Der Briefing Course sollte schliesslich mehr als dreihundert auf Band aufgenommene Vorträge von L. Ron Hubbard umfassen, seine Langlebigkeit durch 'technische Durchbrüchen' aufrechterhaltend die kurz aufeinander folgten, jede neue Technik ersetzte die vorherige und verlangte, dass ergebene Scientologen immer wieder nach Saint Hill zurückkehrten um auf dem neusten Stand zu bleiben.

Wenn Hubbard keine Vorträge hielt, schrieb er Richtlinien die alles umfassten, von wie man die Welt rettet bis wie man sein Büro reinigt. Kein Detail war zu unbedeutend, um nicht seine Aufmerksamkeit zu verdienen: ein HCO Policy Letter, zwei Seiten umfassend, der erklärt, wie Autos gewaschen werden sollten, wurde auffällig in der Garage von Saint Hill angeschlagen, ein anderer richtete sich an den Hausdienst, 'Die Pflege von Blumen'. Er schrieb auch schnell eine neue zusammenfassende Selbstbiographie, seiner bereits gut polierten Karriere weiteren Glanz hinzufügend. Sie wurde einer Ausgabe von 'What Is Scientology?' beigefügt:

'Während Jahrhunderten versuchten Physiker, das exakte Wissen, das sie vom physikalischen Universum gewonnen haben, auf den Meschen und seine Probleme anzuwenden. Newton, Sir James Jeans, Einstein, alle haben versucht, die genauen Gesetze des menschlichen Verhaltens zu finden um der Menschheit zu helfen.'

'Entwickelt von L. Ron Hubbard, C.E., Ph.D., einem Kernphysiker, erreichte Scientology beweisbar dieses lang gesuchte Ziel. Doktor Hubbard, ausgebildet in moderner Physik und höherer Mathematik, ausserdem Student von Sigmund Freud und anderen, begann seine gegenwärtigen Forschungen vor dreissig Jahren an der George Washington Universität. Das dramatische Ergebnis war Scientology.'

Das lobenswerte Ziel 'der Menschheit zu helfen', passte kaum zur Forderung nach 'security checks', die 1961 verstärkt wurden. Ein noch aufdringlicherer Fragebogen wurde eingeführt, der eher für Perverse und Verbrecher gestaltet schien als für potentiell geistige Unruhestifter. Viele Fragen reflektierten Hubbards krankhafte Beschäftigung mit sexueller Abweichung ('Haben Sie jemals Geschlechtsverkehr mit einem Mitglied Ihrer Familie gehabt?' und 'Haben Sie jemals irgendetwas mit einem Kinderheim zu tun gehabt?'), ein breites Spektrum von Verbrechen wurde auch untersucht ('Haben Sie jemals irgend jemanden ermordet?' und 'Haben Sie jemals irgend ein verbotener Handel gemacht?'). Ausserdem wollte Hubbard ausdrücklich wissen, ob die zu überprüfende Person jemals 'irgend welche unfreundliche Gedanken' über ihn oder Mary Sue gehabt hatte. Jedes Überprüfungsblatt wurde auf Hubbards Anordnung nach Saint Hill weitergeleitet. Den persönlichen Ordnern beigefügt, in denen jedes Detail der Auditing Sitzungen aufgezeichnet waren, machten sie ein umfassendes Dossier aus, in welchem die geheimsten Gedanken jedes Mitglieds Scientology Kirche festgehalten wurden.

Drei Tage nach Weihnachten 1961 flog Hubbard nach Washington DC um an einem Kongress teilzunehmen und die durch das Einschreiben für den Saint Hill Briefing Course zu erlangenden Gewinne bekannt zu machen. Er bat Reg Sharpe ihn auf der Reise zu begleiten und Sharpe wurde sich sehr bald der kleinen Schwächen seines Führers bewusst. Als ihr Flugzeug zum Auftanken in Boston zwischenlandete, hetzte Hubbard durch das Passagierterminal und blieb während der ganzen Wartezeit stehen, seinen Rücken gegen die Wand gepresst, seinem verwirrten Begleiter erklärend, dass es hier Leute gab die 'auf der Suche nach ihm' waren.

In Washington war Sharpe über die Lobhudelei erstaunt, mit der Hubbard empfangen wurde. Er hielt jeden Tag des Kongresses während etwa vier Stunden einen Vortrag vor einem faszinierten Publikum, er hatte seine Sprechtechnik ästhetisch verfeinert, schamlos die Tricks des Showgeschäfts und der politische Gepflogenheit übernehmend. Er liebte es an der Rückseite der Halle zu erscheinen um begleitet von Trommelwirbeln durch das Publikum zu schreiten, mit seine Arme zum Grüssen winkend und Hände zu schütteln auf dem Weg zum Podium. Sein Timing, die Grundlage eines guten Sprechers, war fehlerlos und er konnte ein ganzes Auditorium für Stunden fesseln. Wie ein Kabarettartist mit zwei Auftritten in einer Nacht, hatte er es sich zur Gewohnheit gemacht, während einer Pause seine Kleidung zu wechseln und erschien für die zweite Hälfte seines Vortrages in einem Seidenanzug von anderer Farbe oder manchmal in einer goldlaminierten Jacke. Damit werde das Interesse des Publikums aufrecht erhalten, erklärte er und löste damit auch seine Schweissprobleme.

Hubbards energische Förderung von Saint Hill als das Mekka von Scientology führte dazu, dass Hunderte von jungen Amerikanern sich auf den Weg nach East Grinstead machten, ein wenig zur Überraschung der Einwohner, die kaum eine Ahnung davon hatte was dort los war. 'Dr. Hubbards' örtliches Ansehen sank in letzter Zeit erheblich: er trat von seiner Position als Planer für Verkehrssicherheit der Stadt zurück, Inanspruchnahme durch sein Unternehmen vorschiebend, wurde ausserhalb des Gebiets von Saint Hill Manor sehr selten gesehen und bemühte sich nicht mehr um Publizität in den lokalen Zeitungen. Im Grossen und Ganzen wurde der Zustrom von amerikanischen Besuchern in die Stadt begrüsst: sie waren ruhig, höflich und gaben grosszügig Geld aus. Dass sie nicht so geschwätzig waren über das, was sie in der Gegend machten, war für die Einheimischen in Ordnung, die instinktiv die Rechte von Leuten respektierten, die 'unter sich' bleiben wollten.

Mitglieder des Stadtrats von East Grinstead drückten einige Besorgnis darüber aus, insofern als Saint Hill Manor durch Planvorschriften zur Verwendung als privater Wohnsitz beschränkt wurde, aber Dr. Hubbards Ruf war so, dass sie beschlossen, nicht mehr zu unternehmen als ihn vertraulich zu drängen, sich um eine Baubewilligung für die Verwendung des Landguts für Büro- und Forschungszwecke zu bewerben. Er antwortete indem er in einem Bauantrag vorschlug, auf dem Gebiet des Landguts ein Verwaltungszentrum mit fünfundsiebzig Räumen zu bauen und verbreitete einen 'Bericht an die Öffentlichkeit', der um Unterstützung bat.

Im Bericht offenbarte Hubbard dem Volk von East Grinstead, dass er als Ergebnis seiner Versuche mit Pflanzen und 'Lebensenergien' in der Lage war, das physiologische Alter einer Person um nicht weniger als zwanzig Jahre zu reduzieren und die durchschnittliche Lebenserwartung um bis zu fünfundzwanzig Prozent zu steigern. 'Wir haben nichts davon der Presse angekündigt', anvertraute er, 'da wir in den Zentren mit Entdeckungen wie dieser bereits überlastet sind. Aber wir wollten Sie als Freunde davon wissen lassen und erachten es als Ihr Recht, zu wissen was hier geschieht'.

Im August wandte Hubbard seine Aufmerksamkeit der umfassenderen Arena von internationalen Angelegenheiten zu durch das Angebot Präsident Kennedy zu helfen, die Lücke im Weltraumrennen auszufüllen. Der junge Präsident hatte die Vereinigten Staaten verpflichtet, einen Mann auf den Mond zu bringen bevor das Jahrzehnt zu Ende war und, als loyaler Amerikaner, wollte Hubbard selbstverständlich alles tun was er konnte um zu helfen. Am 13. August 1962 schrieb er einen langen Brief an das Weisse Haus, um Kennedy zu berichten, dass Scientology Techniken besonders für den Raumflug geeignet waren und dass die Wahrnehmung eines Astronauten weit über den menschlichen Bereich gesteigert werden konnte und die Widerstandsfähigkeit auf bisher von Menschen unerreichte Höhen.

Um seine ehrliche Absicht zu begründen behauptete Hubbard, die 'britische Olympiamannschaft' trainiert zu haben, und beispiellose Ergebnisse erreicht zu haben. Er fügte hinzu, dass er seit Jahren Annäherungsversuche der Russen abgewehrt hatte, seit ihm im Jahr 1938 Pavlovs Labors angeboten wurden. Das erste Manuskript seiner Arbeit wurde im Jahr 1942 in Miami gestohlen, ebenso das Zweite 1950 in Los Angeles und 'erst letzte Woche' stahlen kommunistische Interessenten Bandaufzeichnungen von vierzig Stunden, welche die letzte Forschungsarbeit am Scientology-Hauptquartier in Südafrika enthielten.

Obwohl er davon überzeugt war, dass es in Russland eine wachsende Bibliothek über Scientology gab, hatten die Russen glücklicherweise noch nicht das fortgeschrittene Wissen das auf das Weltraumprogramm anwendbar wäre. Alles was die US-Regierung tun muss, erklärte er, war jeden der für Raumflug trainiert werden soll ihm zu übergeben und Scientology würde den Rest machen. Jeder Mann würde für die Behandlung etwa 250 Stunden brauchen und die Kosten wären für eine Stunde nur 25 Dollar, mit der Möglichkeit eines Rabatts bei einer grossen Anzahl Teilnehmern. 'Der Mensch kommt ohne uns nicht erfolgreich in den Weltraum . . . ' warnte er. 'Wir wollen nicht, dass die Vereinigten Staaten entweder das Rennen um den Weltraum oder den nächsten Krieg verlieren. Der entscheidende Faktor in diesem Rennen oder diesem Krieg könnte in diesem Moment sehr wohl in Ihrer Hand liegen, und kann davon abhängen, was mit diesem Brief gemacht wird . . . höflich, L. Ron Hubbard.'

Es schien, dass Hubbard ernsthaft erwartete, dass sein Angebot im Oval Office gebührend erwogen würde, zwei Wochen später war er in Washington und diskutierte mit dem Team des Hubbard Communications Office Stab, wie der erwartete Zustrom von Astronauten zu handhaben ist. Es wurde vereinbart, dass jede Geschäftsbeziehungen mit der US-Regierung nur auf Barzahlung erfolgen würde, dass sie sich das Recht vorbehalten würden, jeden zurückzuweisen von dem sie annahmen, dass er ungeeignet war, und falls Regierungsbeamte Scientology Techniken untersuchen wollten würde ihnen nett beigebracht, das dies sinnlos ist. Falls es einen Ansturm von Astronauten gäbe, die zur Behandlung kommen, würde Ron von Saint Hill herüber kommen und ein spezielles Unternehmen aufstellen, um sie zu behandeln. [10]

Auf der Rückreise nach England, mit Reg Sharpe in der ersten Klasse auf der Queen Elizabeth reisend, verbrachten die beiden Männer ihre Zeit indem sie sich gegenseitig auditierten. Hubbard erzählte seinem Freund, dass er in einem früheren Leben auf einem anderen Planeten für eine Fabrik verantwortlich gewesen war, die menschliche Wesen aus Stahl machte, die er an Thetane verkaufte, Abzahlung anbietend, wenn sie sich den Barzahlungspreis nicht leisten konnten.

Zurück in Saint Hill war Hubbard erstaunt zu entdecken, dass der Präsident nicht auf seinen Brief geantwortet hatte, aber alles wurde ihm einige Monate später klar, als Agenten der Food and Drugs Administration im Hauptquartier von Scientology in Washington eine Razzia inszenierten. Es war für Hubbard offensichtlich, dass der Präsident das FDA darum gebeten hatte, Scientology als Resultat seines Briefs zu überprüfen und das FDA, das seine eigenen Programme fördern wollte, versucht hatte den Spiess gegen Scientology zu drehen.

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1. Interview with Alan Larcombe, East Grinstead, November 1985
2. Garden News, 18 December 1959
3. A Piece of Blue Sky, Jon Atack, 1992
4. Interview with Joan Vidal, London, January 1986
5. Interview with Mrs. Roberts
6. A Piece of Blue Sky, Jon Atack, 1992
7. Letter from Mary Sue Hubbard to Marilyn Routsong, 4 February 1960
8. Interview with George Hay, London, March 1987
9. HCO News Letter, 7 May 1962
10. Minutes of special staff meeting, HCO Washington, 29 August 1952